Reifenalter und DOT-Nummer

Woche und Jahr, eingeprägt in die Flanke

Das Herstellungsdatum steht auf jedem Reifen, aber gut versteckt und ohne Erklärung. Vier Ziffern genügen – und sie beantworten eine Frage, die das Profil nicht beantworten kann.

Vier Ziffern, die das Herstellungsdatum nennen

Jeder Reifen trägt auf der Flanke eine DOT-Kennung. Sie endet auf vier Ziffern, und nur diese vier sind im Alltag interessant: die ersten beiden nennen die Kalenderwoche, die letzten beiden das Jahr der Herstellung.

Beispiele für die vierstellige DOT-Angabe
AufdruckWocheJahrentspricht etwa
012512025Anfang Januar 2025
2523252023Ende Juni 2023
4719472019Ende November 2019
3608362008Anfang September 2008

Die vierstellige Form gilt für Reifen ab dem Jahr 2000. Ältere Reifen tragen nur drei Ziffern – bei denen ist die Frage nach dem genauen Jahrzehnt ohnehin gegenstandslos, denn sie gehören nicht mehr an ein Fahrzeug.

Warum das Alter zählt, auch ohne Kilometer

Ein Reifen besteht aus einer Gummimischung mit Weichmachern. Diese Bestandteile entweichen langsam, unabhängig davon, ob der Reifen gefahren wird. Das Material wird härter, und härteres Gummi baut auf nasser oder kalter Fahrbahn weniger Haftung auf.

Deshalb ist die häufig gehörte Rechnung „noch sechs Millimeter Profil, also noch gut" unvollständig. Profil sorgt dafür, dass Wasser verdrängt wird; die Mischung sorgt dafür, dass der Reifen greift, wo er die Straße berührt. Fehlt das zweite, hilft das erste wenig.

Übliche Anhaltspunkte

  • Beim Kauf: Ein Reifen sollte möglichst nicht älter als etwa zwei Jahre sein. „Neu" heißt beim Reifen nicht „ungefahren", sondern „jung".
  • Im Betrieb: Ab etwa sechs Jahren lohnt eine genauere Betrachtung, ab etwa acht bis zehn Jahren ist ein Austausch die verbreitete Empfehlung – unabhängig vom Profil.
  • Winterreifen altern nicht langsamer, weil sie nur ein halbes Jahr laufen. Der Kalender zählt, nicht die Betriebsstunden.
  • Ersatzräder und selten genutzte Fahrzeuge sind der klassische Fall: viel Profil, hohes Alter.

Diese Angaben sind branchenübliche Anhaltspunkte, keine gesetzliche Grenze für Pkw-Reifen. Wer es genau wissen will, lässt den Reifen in einer Fachwerkstatt beurteilen – von außen ist die Aushärtung nicht zuverlässig zu erkennen.

Woran man einen gealterten Reifen erkennt

  • Feine, netzartige Risse am Flankenfuß oder im Profilgrund.
  • Eine matte, spröde wirkende Oberfläche statt eines leicht elastischen Gummis.
  • Verformungen oder flache Stellen bei Fahrzeugen, die lange gestanden haben.
  • Ein deutlich schlechteres Nassverhalten, obwohl das Profil ausreicht.

Beim Größenwechsel mitprüfen

Wer die Reifengröße ändert, kauft neu und hat die Frage damit meist erledigt. Umgekehrt lohnt der Blick auf die DOT-Nummer, bevor ein Satz gebrauchter Räder in der gewünschten Größe den Besitzer wechselt: Der Preis richtet sich oft nach dem Profil, der Wert nach dem Alter.

Die restlichen Zeichen der DOT-Kennung

Vor den vier Ziffern steht eine Zeichenfolge, die im Alltag selten gebraucht wird, aber erklärt, warum die Kennung so aussieht: Sie nennt die Fabrik, in der der Reifen entstanden ist, sowie herstellerinterne Angaben zu Bauart und Ausführung.

Interessant wird das in einem Fall – beim Rückruf. Betrifft er eine bestimmte Fabrik und einen Produktionszeitraum, lässt sich anhand der vollständigen DOT-Kennung feststellen, ob ein Reifen dazugehört. Für alles andere genügen die letzten vier Ziffern.

Die Kennung ist häufig nur auf einer Flankenseite vollständig aufgeprägt. Wer sie außen nicht findet, sollte nicht schließen, dass sie fehlt, sondern auf der Innenseite nachsehen – bei montiertem Rad manchmal nur mit Taschenlampe und schräg von unten.

Lagerung entscheidet mit

Wie schnell ein Reifen altert, hängt nicht nur vom Kalender ab, sondern davon, was auf ihn einwirkt. Drei Dinge beschleunigen den Vorgang deutlich:

  • UV-Licht – direkte Sonne über Jahre greift die Oberfläche an.
  • Ozon – entsteht unter anderem an laufenden Elektromotoren; ein Reifenstapel neben der Heizungspumpe im Keller ist ein schlechter Platz.
  • Wärme und Feuchtigkeitswechsel – ein ungedämmter Dachboden mit 60 Grad im Sommer altert Reifen schneller als jede Fahrt.

Ein Reifen, der acht Jahre kühl und dunkel gelegen hat, kann besser dastehen als einer, der drei Jahre in der Sonne an der Hauswand lehnte. Das Datum bleibt trotzdem die verlässlichere Auskunft, weil man dem Reifen die Vorgeschichte nicht ansieht.

Beim Gebrauchtkauf

Räder aus zweiter Hand sind der Fall, in dem sich die vier Ziffern auszahlen. Eine kurze Prüfliste:

  • DOT aller vier Reifen ablesen – Sätze sind oft nachträglich zusammengestellt und nicht gleich alt.
  • Profiltiefe an mehreren Stellen messen, innen und außen getrennt.
  • Flanken auf Risse, Beulen und Scheuerstellen absuchen; eine Beule ist ein Ausschlusskriterium, kein Verhandlungspunkt.
  • Auf einseitigen Verschleiß achten – er verrät oft mehr über das Fahrzeug, aus dem die Räder stammen, als der Verkäufer.
  • Die Größe gegen die eigenen Fahrzeugpapiere halten, bevor über den Preis gesprochen wird.

Ein Satz mit reichlich Profil und sieben Jahren auf dem Buckel ist selten ein Schnäppchen: Was er an Profil mitbringt, wird er nicht mehr abfahren dürfen.

Ob die gewünschte Größe rechnerisch passt, klärt der Reifenrechner; welche Alternativgrößen auf die vorhandene Felge gehen, zeigt die Suche nach alternativen Reifengrößen.

Häufige Fragen

Wo finde ich die DOT-Nummer am Reifen?

Auf der Flanke, eingeprägt und meist in einem ovalen Feld. Die vierstellige Zahl steht am Ende der DOT-Kennung. Sie ist häufig nur auf einer Seite des Reifens vollständig aufgeprägt – wer sie nicht findet, sollte auf der Innenseite nachsehen.

Was bedeutet DOT 2523?

Der Reifen wurde in der 25. Kalenderwoche des Jahres 2023 hergestellt, also etwa Ende Juni 2023. Die ersten beiden Ziffern sind die Woche, die letzten beiden das Jahr.

Ist ein alter Reifen mit viel Profil noch gut?

Profil und Alter sind zwei verschiedene Dinge. Die Gummimischung verhärtet über die Jahre unabhängig von der Laufleistung; ein zehn Jahre alter Reifen mit vollem Profil kann bei Nässe deutlich schlechter greifen als ein gefahrener, aber junger. Sichtbare feine Risse in der Flanke sind ein Warnzeichen, ihr Fehlen aber kein Freibrief.

Gilt für Anhänger und Wohnwagen etwas anderes?

Reifen an Anhängern stehen oft jahrelang unter Last und bewegen sich wenig – gerade dort altert das Material, ohne dass Profil verloren geht. Für bestimmte Anhänger gibt es Altersgrenzen; im Zweifel gibt die Zulassungsstelle oder eine Fachwerkstatt Auskunft.